Tiger (Panthera tigris)
Tiger
von Marcus W. Skupin | Welt der Katzen
"Der Tiger" (Panthera tigris, Linnaeus 1758), 04.01.2003; letzte Ergänzung am 20. Februar 2023
Der Tiger ist die größte noch lebende Katzenart. Seine meist gelblich-ockerfarbene bis rötlich-orange Grundfärbung mit den schwarzen Streifen machen ihn auch zur "bekanntesten" Katzenart. Selbst Kleinkinder können einen Tiger auf Fotos oder auch im Zoo augenblicklich erkennen, was bei vielen anderen Katzenarten merklich schwerer fällt.
"Der Tiger ist ein Tier, das ist wunderlich kräftig und schnell. Es wird geboren in Hircania", so lässt es sich bei Albertus Magnus [1] nachlesen. [Anm. 1]
Allgemeines / Verbreitung
Gab es um 1900 noch ca. 100.000 wild lebende Tiger, so ist deren Zahl bis Juni 2013 leider auf geschätzte 3.200 Tiere zurückgegangen (vgl. auch [2]). Fast 2/3 aller heute noch frei lebenden Tiger sind Bengaltiger.
Seit dem 17. Jahrhundert sind Tiger als Menschenfresser "verschrien". Doch, "seit im Dschungel immer wieder die Maschinengewehre knattern, gilt der Tiger nur noch in Friedensjahren als Schrecken der Wälder." (ROEDELBERGER et al. 1965). Tiger sind noch immer recht häufig für Todesfälle bei Menschen verantwortlich. SUCKOW erwähnt, dass Tiger unter mehreren Menschen einzelne unerschrocken angreifen, Einheimische eher als Europäer [7]. In Ostindien wurden früher, an Stellen, an denen ein Mensch durch einen Tiger ums Leben kam, als Warnung an Reisende Stangen mit einem farbigen Tuch gekennzeichnet und zudem eine Gebetshütte errichtet [3].
Tiger (hier noch "Felis tigris")
Abbildung nach "The natural history of the felinae", Naturgeschichte der Felinae" von Sir William Jardine, 1834
Großkatze Asiens
Tiger bevölkerten einst weite Teile des asiatischen Raumes, von Sibirien über China und Persien [7] bis Indien, Myanmar und Thailand.
Kaup (1835) führt zum Verbreitungsgebiet aus: " Das Vaterland des Tigers ist ganz Ostindien, nebst den Inseln Sumatra und Java, nach Pallas, Fischer und Ehrenberg erscheint er auch in der ganzen Steppe zwischen Sibirien, China und Indien, bis zu den Flüssen Ischim, Irtisch und Ob. Ehrenberg erfuhr, dass er dort bis in die Breite von Paris und Berlin herabkomme." [3] Müller hingegen sah sein Verbreitungsgebiet fälschlich noch auf die heißesten Gegenden Asiens beschränkt und ergänzte "In gemäßigten und kalten Ländern kommt er nicht vor" [4].
Durch die immer stärkere Ausbreitung des Menschen und den Jagddruck, heute hauptsächlich durch Wilderer, wird der Lebensraum des Tigers immer weiter beschränkt, so dass die Zahl der großen Katzen immer weiter abnimmt.
Von den ursprünglich 9 bekannten Unterarten sind heute bereits 3 Unterarten, der Bali-Tiger (Panthera tigris balica, ca. 1940), der Java-Tiger (Panthera tigris sondaica, ca. 1980) sowie der Kaspische Tiger(Panthera tigris virgata; ca. 1970) ausgestorben. Bedauerlich.
Wissenschaftliche Untersuchungen aus dem Jahre 2015 (WITTING et al, 2015) ließen die Forscher zu dem Schluss kommen, dass streng genommen nur eine klare Unterscheidung zwischen Festlandtigern und Sunda-Tigern (eine Zusammenfassung von Sumatra-, Java- und Balitiger als Panthera tigris sondaica) möglich ist und die Zahl der Unterarten daher nach Ansicht dieser Wissenschaftler auf zwei reduziert werden sollte.
Unterarten des Tigers
Sumatra-Tiger (Panthera tigris sumatrae) sind die kleinste noch lebende Tigerart. Nach aktuellen Schätzungen beträgt die Anzahl dieser Tiere kaum 400 Individuen, was einem Rückgang der Population seit den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts um gut 60 Prozent entspricht. Ihr Lebensraum sind dichte Tiefland- und Hochlandregenwälder der indonesischen Insel Sumatra. Sumatra-Tiger sind geübte Schwimmer.
Die Sumatra-Tiger erreichen Gesamtlängen zwischen 208 cm und 230 cm (Weibchen). Männliche Exemplare hingegen werden zwischen 215 cm bis 255 cm groß.
Indochinesische Tiger (Panthera tigris corbetti) kommen in den unwegsamen Regionen der Bergwälder Thailands, in Kambodscha, Laos, Vietnam, Birma und auch Südchina vor. Aktuelle Schätzungen lassen vermuten, dass noch etwa 350 Individuen in freier Wildbahn existieren.
Malaysia-Tiger (Panthera tigris jacksoni) kommen auf der Malaiischen Halbinsel in den dortigen, tropischen Regenwäldern vor. Diese Unterart wurde erst im Jahre 2004 durch genetische Analysen identifiziert und sind den Indochina-Tigern sehr ähnlich. Ihre Population wird auf etwa 500 Individuen geschätzt. Der Knochenfund eines Malaysia-Tigers auf der Insel Borneo lässt vermuten, dass die Tiere in früherer Zeit auch dort heimisch gewesen sein könnten.
Nutzen des Tigers
Zum Nutzen des Tigers verweisen SUCKOW und MÜLLER darauf, dass Tigerfleisch von den Einheimischen gegessen wird [7][4] und als wohlschmeckend und gesund gilt [4]. Die Chinesen schätzen, so [4] weiter, die Haut des Tigers besonders. Tigerfelle (derer zwei 30 bis 50 Thaler kosten) werden zu Stuhldecken, Mützen, Muffen und Pferdedecken verarbeitet [4]. Die Verarbeitung zu Pferdedecken erfolgt vor allem in Persien [7], auch werden Wagen und Sänften mit Tigerfellen überzogen und in Polen dienen sie als Futterstoff für die Kleider [7].
Nach Europa gelangten Tigerfelle im 18. Jahrhundert insbesondere durch Händler aus England und Holland [7].
Ein großes Problem stellt nach wie vor, die Nutzung von "Bestandteilen" des Tigers in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) dar. Auch wenn es keinen legalen Handel mit Tigerprodukten gibt, auf Wilderei steht in China die Todesstrafe, sind diese auf dem Schwarzmarkt zu horrenden Preisen (1 kg Knochen für ca. 7.000 Dollar) erhältlich.
Verwendung finden beispielsweise:
Knochen (gegen Rheuma), Augäpfel (gegen Epilepsie und Malaria), Krallen (gegen Schlafstörungen), Zähne (gegen Fieber, Tollwut, Asthma), Hirn (gegen Faulheit und Pickel), Penis (als Liebestrank), Tigerfett (gegen Lepra). [5]
In den in Thailand als Touristenattraktion geltenden Tigertempeln, sollen Tigerbabys gar getötet werden um dann eingefroren nach China verschickt zu werden und dort zerteilt in der TCM Verwendung zu finden [6].
Tiger(aber)glaube
"In Sumatra glauben die Eingebohrnen, daß die Seelen ihrer Vorfahren in den Tigerleibern wohnen. Es wird daher daselbst selten ein Tiger getödtet und er ist eine schreckliche Plage für das Land. Wie viel Schaden richtet nicht der Aberglaube in allen Weltgegenden an!"
Müller, Anton: Die Reiche der Natur [4], Seite 64
weitere Einzelheiten:
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Steckbrief Tiger
Informationen zum Tiger in Kurzform auch in den Steckbriefen der Großkatzen.
Tiger historisch ...
Anmerkungen
[Anm. 1] Hircania bezeichnet das Gebiet südlich des Kaspischen Meeres, auch Hyrkanien. Das damalige Hircania gehört heute zu Iran und Turkmenistan. Hyrkanische Tiger gelten zwischenzeitlich als ausgestorben. Vgl. Kaspischer Tiger).
Quellen
[1] Magnus, Albertus; Megenberg, Konrad (Übersetzung): "von dem Tigertier" in Das Buch der Natur: die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache von Konrad (von Megenberg) - 1309 bis 1374, Hrsg. Franz Pfeiffer, Verlag von Karl Aue, Stuttgart 1861, Originalausgabe: ca. 1244
[2] Krafte Holland K, Larson LR, Powell RB: Charakterisierung des Konflikts zwischen Menschen und Großkatzen Panthera spp:Eine systematische Überprüfung von Forschungstrends und Managementmöglichkeiten. PLoS ONE 13(9): e0203877. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0203877, 2018
[3] Kaup, Dr. J.J.: Das Thierreich in seinen Hauptformen, Erster Band, Verlag Johann Philipp Diehl, Darmstadt 1835, S. 292 ff.
[4] Müller, Anton: Die Reiche der Natur, Verlag Gottfried Vollmer, Hamburg, 18xx
[5] Vier Pfoten: Tierart Wildtierstation, Über Tiger, 07.02.2020, https://www.tierart.de/wissenswertes-ueber-tiere/ueber-tiger-panthera-tigris (abgerufen am 29.01.2023)
[6] Cee4life: https://www.cee4life.org/category/tiger-temple-related/ (abgerufen am 29.01.2023)
[7] Suckow, D. Georg Adolph: Anfangsgründe der theoretischen und angewandten Naturgeschichte der Thiere, Erster Teil; Säugethiere, S. 263, Weidmannische Buchhandlung, Leipzig 1797