Todesfälle durch Großkatzen

Der lauernde Tod

Tödliche Angriffe von Großkatzen auf Menschen.

Berichte der vergangenen Jahrzehnte zeigen in der Zusammenschau deutliche Unterschiede in der Häufigkeit und regionalen Verteilung tödlicher Angriffe von Großkatzen auf den Menschen.

Während historische Fälle zu extrem hohen Opferzahlen (z. B. 11.909 Leopardentote) führten, ist in der jüngerer Zeit die Zahl tödlicher Angriffe deutlich zurückgegangen. Gründe hierfür sind neben der abnehmenden Zahl wild lebender Großkatzen, die bessere Überwachung der Lebensräume, bessere Schutzmaßnahmen und zugenommene Konfliktprävention.

Obwohl die Daten zu Todesfällen durch Großkatzen in der Natur teils recht widersprüchlich sind, soll hier der Versuch einer tabellarischen Übersicht unternommen werden.

Afrikanischer & Asiatischer Löwe

Land

Ort

Jahr

Zahl der Angriffe

Verletzte

Tote

Art des Vorfalls / Anmerkungen

Tansania

Njombe Distrikt

1932 - 1947(?)

   

1500

Alle Toten durch ein Löwenrudel. Die Angriffe hörten erst auf, nachdem 15 Tiere aus dem Rudel von Rushby geschossen wurden. [2][3]

Tansania

Njombe Distrikt

1944 - 1952

   

1000

 

Tansania

Tenduru Distrikt

1986

   

42

43 Löwen geschossen

Tansania

Limdi Distrikt

1999 - 2000

   

24

Angriffe hörten auf, nachdem 7 halbwüchsige Löwen geschossen wurden

Tansania

Mkongo Division

2002 - 2004

 

10

35 - 50

Nach [3] handelte es sich um einen einzelnen Löwen, der nach dem Terroristen "Osama" benannt wurde. Das Tier war 3 1/2 Jahre alt.

Tansania

1990 - 2004

 

308

563

Angriffe überwiegend in Gegenden mit geringem Wildbestand

Tansania

 

1990 - 2006

225

 

151

räuberisch / predatory

Mozambique

Niassa Game Reserve

2000 - 2006

 

17

11

Zambia

Lupande G.

1991

 

3

Uganda

1923 - 1994

 

69

206

376 geschossene Löwen

Uganda

Queen Elisabeth National Park

1990 - 2000

 

32

Kenia

Tsavo Ost

1898

 

128

[2] berichtet von 140 Toten

Kenia

 

1990 - 2017

51

 

9

[10]

Zimbabwe

 

1999 - 2017

6

 

6

[10]

Indien

Gir Wildlife Sanctuary

1978 - 1991

 

165

28

Extrem hohe Opferzahlen durch Angriffe afrikanischer Löwen sind in Tansania zu verzeichnen. Im Njombe-Distrikt kamen in einem Zeitraum von rund 20 Jahren (1932 bis 1952) etwa 2.500 Menschen ums Leben. Allein 1.500 Tote gehen dabei auf Angriffe eines konkreten Löwenrudels zurück.

Darüber hinaus sind Fälle dokumentiert, in denen neben Löwenrudeln auch einzelne Löwen gezielt Jagd auf Menschen gemacht haben sollen.

Bei den aus jüngerer Zeit bekannt gewordenen Löwenangriffen hat sich die Zahl der Todesfälle durch Löwen in Tansania deutlich reduziert. Zwischen 1985 und 2004 waren - nach den vorliegenden Berichten - in mehreren Distrikten insgesamt noch bis zu 678 Tote zu beklagen.

Auch aus Kenia (128), Mozambique (11), Uganda (238) und Zambia (3) liegen Berichte über Löwenangriffe mit tödlichem Ausgang vor.

Ein Teil der Angriffe wird auf einen geringen Wildbestand, Hungerperioden und Konflikte mit Viehhirten zurückgeführt. Auffällig ist, dass sich in manchen Fällen ganze Rudel auf die "Menschenjagd" spezialisiert zu haben scheinen.

Indische Löwen waren den vorliegenden Berichten nach in "nur" 28 Fällen für den Tod von Menschen verantwortlich.

Leopard

Land

Ort

Jahr

Zahl der Angriffe

Verletzte

Tote

Art des Vorfalls / Anmerkungen

Botswana

 

2018

1

 

0

[10]

Uganda

 

1923 - 1994

 

75

37

114 Leoparden geschossen

Indien

gesamt

1875 - 1912

   

11.909

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Indien

Region Kumaon

1910

   

400

tödliche Angriffe durch ein Exemplar, als Panar-Leopard bekannt [2]

Indien

Rudraprayag

1918 - 1926

   

(125) - 250

Einzelner Leopard. Wurde im Jahr 1926 durch Corbett erschossen. [3] Nach [4] nur 125 Tote.

Indien

Distrikt Bhagalpur, Bihar

1959 - 1962

   

350

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Indien

Kanha National Park

1961 - 1965

   

8

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Indien

Gharwhal Region, Uttarakhand

1996 - 1997

   

36

Angriffe auf Frauen und Kinder

Indien

Uttarakhand

1988 - 2000

   

140

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Indien

Himachal Pradesh, Distrikt Mandi

1987 - 2007

   

19

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Indien

 

1996 - 2017

117

 

63

[10]

Iran

 

2008 - 2018

27

 

2

[10]

Nepal

Pokhara Tal

1987 - 1989

   

12

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Nepal

 

2000 - 2010

36

 

0

[10]

Nepal

Baitadi Bezirk

2010 - 2012

   

15

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Pakistan

Ayubia National Park

1989 - 2006

   

12

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Pakistan

Machiara National Park

2004 - 2007

   

2

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Somalia

Golis Gebirge

1889

   

100

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Südafrika

Krüger National Park

1992 - 2003

   

5

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Sri Lanka

Batticaloa Distrikt

1923 - 1924

   

12

Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Sambia

Chambesi und Luangwa Fluss

1936 - 1938

   

75

1936/1937 = 67; 1938 = 8; Sekundärquelle [4] mit weiteren Angaben

Angriffen durch Leoparden fielen historisch sehr zahlreich Menschen in Indien zum Opfer. Als Gründe lassen sich neben der hohen Bevölkerungsdichte Indiens, die extreme Nähe der Großkatzen zum Menschen anführen.

Im Zeitraum von 1875 bis 1912 sollen in Indien 11.909 Menschen durch Leopardenangriffe zu Tode gekommen sein. Auch in den folgenden Jahren gab es zahlreiche Opfer durch Angriffe der Großkatzen. Ein einzelner Leopard, als Rudraprayag-Leopard bekannt, war in den Jahren von 1918 bis 1926 für - je nach Quelle - bis zu 250 Tote verantwortlich. Die Serie endete erst nachdem das Tier im Jahr 1926 erschossen wurde. Auch in anderen Regionen Indiens waren hohe Opferzahlen zu beklagen.

Zahlreiche Opfer von Leoparden gab es zudem in Somalia (1889) und Sambia (75).

Tiger

Land

Ort

Jahr

Zahl der Angriffe

Verletzte

Tote

Art des Vorfalls / Anmerkungen

Russland

Sikhote-Alin Zapovednik

1970 - 2001

 

37

14

Amur-Tiger

Russland

 

1980 - 2019

59

 

19

[10]

Indien (Ostindien)

NN

1819

   

84

[8]

Indien

Kumaon, Indien

1924 - 1930

   

64

"Chowgar-Tiger", Tigerin mit halbwüchsigem Jungtier (inoffizielle Todeszahlen höher) [9]

Indien

Kumaon

1938

   

4

Thak-Man-Eater, Tigerin mit alten Schussverletzungen [9]

Indien

Kanha Tiger Reserve, Madhya Pradesh

1985 - 2001

 

25

22

 

Indien

Sundarban Tiger Reserve

1985 - 2001

 

57

294

 

Indien

 

1985 - 2015

869

 

773

[10]

Indien

Uttarakhand

2014

   

7

[9]

Indien

Yavatmal

2016 - 2018

   

13

Tigerin T-1 (Avni), 2018 nach Jagd mit Hunden und Drohnen erschossen [9]

Bangladesh

Sundarban

1953 - 1983

 

554

 

Bangladesh

Sundarban

2002 - 2006

 

79

 

Nepal

Champawat

1911

   

436

Todesfälle durch eine Tigerin in Nepal und Indien, erschossen im Jahr 1911 [2]

Nepal

Chitwan National Park

1980 - 2005

 

88

 

Nepal

 

1999 - 2016

119

 

63

[10]

Nepal

 

2021

   

10

Vier beteiligte Tiger mit abgebrochenen Eckzähnen, "Bardia-Tiger" [9]

Sumatra

1978 - 1997

 

30

147

 

Die Gründe für Tiger-Mensch-Konflike sind vielfältig.

In den Sundarbans werden Menschen häufig von gesunden Tigern angegriffen, was wohl auf die dortige Nähe vieler Menschen zu Tiger-Habitaten zurückgeführt werden kann. Hierdurch sind Tiger an die Anwesenheit von Menschen grundsätzlich gewöhnt, ihr Eindringen in die Territorien führt dennoch zu zahlreichen Angriffen mit oft tödlichem Ausgang. Das unübersichtliche Gelände mit dichtem Mangrovenbewuchs führt häufig zu Überraschungsangriffen. Weibliche Tiger mit Nachwuchs greifen zudem bei zufälligen Begegnungen mit Menschen häufig an um ihre Jungen zu schützen.

Dennoch gelten Verletzungen von Tigern, die dazu führen, dass diese kaum noch natürliche Beute erjagen können, als Hauptursache für Angriffe des Tigers auf Menschen. Abgebrochene Eckzähne, schwere frühere Verletzungen (Schusswunden) oder körperliche Beeinträchtigungen zwingen Tiger häufig, ihr Jagdverhalten auf "menschliche Beute" auszurichten.

Jaguar

Land

Ort

Jahr

Zahl der Angriffe

Verletzte

Tote

Art des Vorfalls / Anmerkungen

Brasilien

Ipawu-See, Upper Xingu Indian Reserve

2007

 

1

 

Angriff auf einen Aweti, der seinen Hunden gegen einen Jaguar helfen wollte. [6]

Brasilien

Isseneru, Cuyuni-Mazaruni, Guyana

2008

 

2

Erste offizielle Meldung eines tödlichen Jaguarangriffs. Betroffen waren zwei Kinder. [5]

Brasilien

Pacu Gordo

2008

   

1

Jaguarangriff gegen 19.30 Uhr auf einen im Zelt schlafenden Fischer.

Brasilien

2010

 

1

[6] Jaguarangriff durch Sprung auf ein Boot.

Brasilien

2007 - 2018

11

4

[10]

Guyana

2014

1

1

[10]

Venezuela

1985 - 2015

13

2

[10]

Puma (ist keine Großkatze)

Land

Ort

Jahr

Zahl der Angriffe

Verletzte

Tote

Art des Vorfalls / Anmerkungen

USA

 

1890 - 1990

 

43

10

 

USA

 

1980 - 2016

76

 

8

[10]

USA / Kanada

 

1890 - 2001

 

82

20

[7]

Kanada

 

1980 - 2015

51

5

[10]

Brasilien

 

2011 - 2016

3

1

[10]

Chile

 

1989 - 2015

2

1

[10]

Mexiko

 

2014 - 2015

3

0

[10]

Todesfälle durch Großkatzen und Puma

Todesfälle durch Großkatzen und Puma

Die Heatmap stellt dar, wie viele tödliche Angriffe pro Jahrzehnt von jeder Großkatzenart verursacht wurden. Die Farbskala zeigt: hell → wenige Todesfälle; dunkelrot → sehr viele Todesfälle.

Erkennbar ist, welche Art wann für besonders zahlreiche Todesfälle verantwortlich war. Sie ermöglicht damit einen Überblick wie sich die Mensch-Tier-Konflikte zahlenmäßig verändert haben. Erkennbar ist auch, dass diese Konflikte regional und artabhängig sehr unterschiedlich waren und die meisten der Todesfälle historisch sind. Bis heute geht die Zahl der Todesfälle deutlich zurück.

Risikomechanismen

Aus den dokumentierten Fällen lassen sich fünf zentrale Mechanismen ableiten, die zu tödlichen Angriffen von Großkatzen auf Menschen führen:

Verletzung oder Gebissschäden

Stärkstes Muster bei Tiger, Leopard und Löwe.

Verletzte Tiere können Wildtiere nicht mehr jagen → Menschen werden zur „energetisch günstigeren“ Beute.

Beutemangel

Wenn Huftiere fehlen (z. B. Tansania 1990–2004), steigt der Jagddruck auf Menschen.

Hohe menschliche Präsenz im Habitat

Indien ist das Extrembeispiel:
Viele Menschen + viele Leoparden + wenig Barrieren = hohe Konfliktrate.

Wiederholungserfolg

Ein Tier, das einmal erfolgreich einen Menschen tötet, wiederholt das Verhalten, was zu Serienangriffen führen kann.

Ökologische Besonderheiten des Habitats

Sundarbans: Mangroven, schlechte Sicht, Gezeiten
Ostafrika: offene Savanne, Dörfer in Löwenrevieren
Indien: Plantagen, Felder, hohe Bevölkerungsdichte

Risikofaktoren Großkatzenangriffe

Gewichtung der Risikofaktoren

Datenqualität

Einige historische Zahlen sind unsicher oder variieren zwischen den verschiedenen Quellen. Zu beachten ist auch, dass ein Teil der Angaben in den obenstehenden Tabellen aus Sekundärquellen stammt, die nicht im einzelnen geprüft werden konnten. Die entsprechenden Angaben sind daher zurückhaltend zu bewerten. Insgesamt können die ermittelten Tendenzen jedoch als robust betrachtet werden.

Quellen

[1] McDonald, Loveridge:
[2] https://listverse.com/2010/10/16/top-10-worst-man-eaters-in-history/
[3] https://www.artofmanliness.com/character/knowledge-of-men/man-knowledge-a-history-of-man-eaters/
[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Leopard_attack
[5]
de Paula, R.; Campos Neto, M. F. & Morato, R. G.: "First Official Record of Human Killed by Jaguar in Brazil". Cat News (49): 31–32, 2008
[6]
Dr. Manoel Francisco Campos Neto; Domingos Garrone Neto, MSc, PhD; Vidal Haddad Jr, MD, MSc, PhD: Angriffe von Jaguaren (Panthera onca) auf Menschen in Zentralbrasilien: Bericht über drei Fälle, mit Beobachtung eines Todesfalls, Veröffentlicht: Dienstag, 14. März 2011 DOI:https://doi.org/10.1016/j.wem.2011.01.007
[7]
Fitzhugh E.L.; Schmid-Holmes S.; Kenyon M.W.; Etling K.: Verringerung der Auswirkungen eines Puma-Angriffs auf einen Menschen. Proceedings of the Seventh Mountain Lion Workshop, Wyoming Game and Fish Department, Lander, WY2003
[8]
Kaup, Dr. J.J.: Das Thierreich in seinen Hauptformen, Erster Band, Verlag Johann Philipp Diehl, Darmstadt 1835, S. 296
[9] https://en.wikipedia.org/wiki/Tiger_attack (abgerufen am 13.05.2026)
[10] Bombieri G, Penteriani V, Almasieh K, Ambarlı H, Ashrafzadeh MR, Das CS, et al.(2023), A worldwide perspective on large carnivore attacks on humans https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3001946; 31. Januar 2023

Artikeldaten

Skupin, Marcus: Todesfälle durch Großkatzen, www.welt-der-katzen.de online, Januar 2022, Stand: 14. Mai 2026

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