Die Plazenta der Katze

Bedeutung der Plazenta

Die Plazenta ist das zentrale Austausch- und Regulationsorgan zwischen Katze und Fötus bei der Trächtigkeit. Sie verbindet den sich entwickelnden Fötus über die Nabelschnur mit dem Organismus der Mutter und übernimmt Aufgaben, die kein anderes Organ leisten kann: Ernährung, Atmung, Immunmodulation, hormonelle Steuerung und Schutz.

Bei der Katze ist die Plazenta zonär und endotheliochorial, eine Kombination, die sowohl hohe Effizienz als auch eine charakteristische räumliche Organisation erzeugt.

Plazentatyp der Katze - zonär endotheliochorial

Die zonär endotheliochoriale Plazenta der Katze gehört zu den Chorioallantois-Plazenten und weist zwei entscheidende Merkmale auf:

Zonärer Aufbau

Der fötomaternale Kontakt bildet einen geschlossenen Gürtel um den Embryo. Dieser Plazentagürtel besteht aus drei Zonen:

~ Labyrinthzone (Hauptaustauschregion)
~ Junctional Zone (Übergangsbereich)
~ Paraplazenta (Randzone mit trophoblastischen Zellen)

Die ringförmige Struktur ist typisch für Karnivoren und unterscheidet sich deutlich von der eher scheibenförmigen Plazenta des Menschen.

Endotheliochoriale Barriere

Die Plazenta besitzt nur vier Schichten zwischen mütterlichem und fetalem Blut:

1. fetales Endothel
2. fetales Bindegewebe
3. Chorionepithel (Trophoblast)
4. mütterliches Endothel

Eine mütterliche Epithel- und Bindegewebsschicht fehlen. Dies stellt einen evolutionären Abbau von Schichten dar, der den Austausch zwischen Katze und Fötus beschleunigt.

Dies ermöglicht:

~ effiziente Nährstoff- und Gasdiffusion
~ begrenzten, aber vorhandenen IgG-Transfer
~ hohe metabolische Aktivität

Die Entwicklung der Plazenta

Frühphase (Tag 12–18), nach der Nidation (etwa Tag 13) :

° Trophoblastzellen dringen in die Uterusschleimhaut ein
° erste labyrinthartige Strukturen entstehen
° maternale Kapillaren werden erweitert und reorganisiert

Die frühe Plazenta ist noch funktionell begrenzt; der Embryo wird zusätzlich über uterine Sekrete („histotrophe Ernährung“) versorgt.

Organogenese der Plazenta (Tag 18–30)

° Ausbildung des Plazentagürtels
° Differenzierung der Trophoblastschichten
° Etablierung der fetalen Gefäßarchitektur
° Beginn endokriner Aktivität (Relaxin, Progesteronmodulation)

Ab etwa Tag 25–30 ist die Plazenta funktionell voll aktiv.

Reifung (Tag 30–60)

° Verdichtung des Labyrinths
° Zunahme der Austauschfläche
° Stabilisierung der fetalen Gefäße
° zunehmende Spezialisierung der Trophoblasten (z. B. Riesenzellen)

Spätphase (Tag 60–Geburt)

° leichte Rückbildung der Austauschfläche
° Zunahme der Prostaglandin-Produktion
° Vorbereitung auf die Geburt durch hormonelle Signale (fetal-maternale Achse)

Funktionen der felinen Plazenta

Stoffaustausch

Die Plazenta ist zuständig für:

~ Sauerstofftransport (Diffusion)
~ CO₂-Abgabe
~ Glukose- und Aminosäurentransport
~ Fettsäuretransfer
~ Elektrolytregulation

Die zonäre Struktur der felinen Plazenta ermöglicht eine hohe Austauschrate auf kleinem Raum.

Endokrine Funktionen

Die Plazenta produziert:

° Relaxin (diagnostisch nutzbar ab Tag 25–30)
° Östrogene
° lokale Prostaglandine
° parakrine Faktoren zur Modulation des Corpus luteum

Wichtig:
Im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren bleibt das Corpus luteum bei der Katze bis zur Geburt die Hauptquelle des Progesterons.

Immunologische Schutzfunktionen

Die Plazenta:

~ verhindert direkte Immunreaktionen der Mutter
~ moduliert T‑Zell-Aktivität
~ produziert antiinflammatorische Zytokine
~ lässt geringe Mengen IgG passieren (Haupttransfer erfolgt postnatal über Kolostrum)

Mechanische Schutzfunktionen

° Stoßdämpfung
° Stabilisierung des Fetus im Uterus
° Barriere gegen pathogene Mikroorganismen

Pathologien der felinen Plazenta (Kurzüberblick)

Folgende Störungen sind bezüglich der Plazenta der Katze relevant:

~ Plazentitis (bakteriell, viral)
~ Plazentainsuffizienz
~ Trophoblastdegeneration
~ Uteroplazentare Durchblutungsstörungen
~ Resorption einzelner Föten (häufig, meist unbemerkt)
~ Verkalkungen in der Spätträchtigkeit (physiologisch)

Zusammenfassung

Die Plazenta der Katze ist ein hochspezialisiertes Organ mit:

° zonärer, endotheliochorialer Struktur
° effizientem Stoffaustausch
° komplexer endokriner Aktivität
° immunologischer und machanischer Schutzfunktion
° charakteristischer ringförmiger Morphologie

Sie unterscheidet sich in verschiedenen Punkten deutlich von der Plazenta anderer Haustiere und ist entscheidend für das Überleben und die gesunde Entwicklung des Fötus.

Nach der Geburt muss (meist binnen 5 bis 15 Minuten nach dem Geburtsvorgang) je geborenem Kätzchen eine Plazenta ausgestoßen werden. Fehlt eine Plazenta, kann sie sich noch im Mutterleib befinden (retinierte Plazenta) und dort Entzündungen und Blutvergiftungen (Sepsis) auslösen. Zu beachten ist, dass viele Katzenmütter die ausgestoßene Plazenta fressen. Dabei erfolgt gleichzeitig das "Abnabeln" des Katzenbabys.

Literatur | Quellen

Brambell, F.W.R. (1970). The Transmission of Passive Immunity from Mother to Young. North-Holland Publishing.

Carter, A.M. (2012). Evolution of placental function in mammals. Physiol. Rev., 92 (4), S1543-1576. doi:10.1152/physrev.00040.2011

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Schnorr, B., Kressin, M. (2006). Embryologie der Haustiere. Enke Verlag. ISBN: 978-3-8304-1061-4

Artikelinformationen

Skupin, Marcus (2026): Die Plazenta der Katze, Welt der Katzen – Biologie / Fortpflanzung <online>

Titel: Die Plazenta der Katze
Autor: Marcus Skupin
Erstveröffentlichung: 25. Mai 2026
Zuletzt aktualisiert: ./.
Rubrik: Biologie – Fortpflanzung
URL: https://www.welt-der-katzen.de/katzenhaltung/biologie/fortpflanzung/plazenta-der-katze.html

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