Kittengewicht

Kittengewicht: Entwicklung, Tabelle & Tipps

von Marcus Skupin | Welt der Katzen

Das Gewicht junger Kätzchen ist einer der wichtigsten Gesundheitsindikatoren. Hier findest du eine Tabelle mit allen Richtwerten von Geburt bis Woche 6, sowie Tipps, wie du die Entwicklung richtig überwachst.

Geburtsgewicht von Hauskatzen

Interessant

~ Untergewichtig geborene Kitten nehmen im Verhältnis stärker zu, als normalgewichtig geborene Kätzchen, dennoch können sie den Nachteil meist nicht komplett ausgleichen.

~ Nach dem 21. Lebenstag sinkt die Sterblichkeit von LBW-Kätzchen unter die normalgewichtig geborenen Katzennachwuchses ab. [3]

Das Geburtsgewicht von Hauskatzen beträgt in den meisten Fällen (Durchschnitt) zwischen 80 Gramm und 120 Gramm.

Weicht das Gewicht des Katzenfötus vor der Geburt von diesem Orientierungswert erheblich ab, so sind bei größerem Gewicht Geburtsprobleme möglich (das Kitten passt nicht durch den Geburtskanal), bei deutlich geringerem Gewicht sinken die Überlebenschancen nach der Geburt (häufig "Schwäche").

Sogenannte LBW-Kätzchen (Low Birth Weight), habe einer Studie zur Folge eine um das 4,4 fach höhere Sterblichkeitswahrscheinlichkeit als Katzen mit normalem Geburtsgewicht. Besonders riskant sind bei untergewichtigen Katzenbabys die ersten 48 Lebensstunden. Insgesamt besteht das höhere Sterblichkeitsrisiko binnen der ersten 21 Lebenstage. [3]

Mit viel Geduld und etwas Glück ist es jedoch möglich, auch untergewichtige Neugeborene erfolgreich ins Leben zu begleiten.

Warum die ersten 48 Stunden entscheidend sind

Die ersten zwei Lebenstage sind für Kitten die kritischste Phase.

In dieser Zeit passieren die meisten Todesfälle, insbesondere bei Kitten mit niedrigem Geburtsgewicht.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

• Die Energiereserven sind minimal.
• Die Thermoregulation ist noch unzureichend.
• Die Aufnahme von Kolostrum ist nur in den ersten Stunden möglich.
• Ein frühes Defizit in der Gewichtszunahme wirkt sich stark auf die Überlebenswahrscheinlichkeit aus.

Eine engmaschige Gewichtskontrolle und die Sicherstellung einer ausreichenden Kolostrumaufnahme sind daher extrem wichtig.

Gewichtsentwicklung

Heilige Birmakatze

Wurf Heilige Birmakatzen

Schon deutlich an Gewicht zugelegt ...

Neugeborene Hauskatzen suchen meist bereits kurz nach der Geburt instinktiv nach den Zitzen der Katzenmutter. Sie saugen sich an einer der Zitzen fest und beginnen schnell zu Trinken. Die erste Muttermilch (Kolostralmilch) schützt durch den hohen Gehalt an Immunglobulinen (Antikörpern) gegen Erkrankungen, sie unterstützt das Immunsystem des Kätzchens. Sie wird bereits kurz vor der Geburt gebildet und steht nur kurze Zeit zur Verfügung. Binnen etwa drei Tagen ändert sich die Zusammensetzung der Muttermilch. Der hohe Nährstoffgehalt der Folgemilch liefert die benötigte Energie für die Entwicklung der Kitten und ermöglicht stetiges Wachstum.

Ein wichtiger Parameter, an dem sich das Wohlergehen von Katzenbabys messen lässt, ist folglich die stetige Gewichtszunahme. Als Orientierungswert gilt eine tägliche Gewichtszunahme von etwa 10 Gramm (9,5%/Tag [3]. Nach der ersten Woche sollten Katzenbabys ihr Gewicht etwa verdoppelt haben. Mugnier [3] ermittelt dazu Wachstumswerte zwischen 86,9 und 99,9 Prozent.

Bezüglich der Gewichtszunahme bestehen übrigens in den ersten acht Lebenswochen der Kätzchen keine wesentlichen Unterschiede zwischen Katzen und Katern. Der Geschlechtsdimorphismus setzt erst zu einem etwas späteren Zeitpunkt ein.

Kittengewicht bis einschl. Lebenswoche 6

Kittengewicht

Kittengewicht (Gramm)*

Neugeborenes

80 - 120

1 Woche

200

2 Wochen

300

3 Wochen

400

4 Wochen

500

5 Wochen

600

6 Wochen

700

* Ernährung ausschließlich durch Muttermilch

Wichtig! Gewichtskontrolle

Frühwarnsignale für gefährdete Kitten

Ein stabiles Wachstum ist der wichtigste Indikator für das Wohlergehen eines neugeborenen Kätzchens. Folgende Beobachtungen gelten als Frühwarnsignale:

• Kein Gewichtszuwachs innerhalb von 24 Stunden
• Stagnation über zwei aufeinanderfolgende Tage
• Jeder Gewichtsverlust, besonders in den ersten 48 Stunden
• Schwaches oder unkoordiniertes Saugverhalten
• Kältegefühl (Untertemperatur verhindert Saugen und Verdauung)

Treten diese Anzeichen auf, sollte das Kitten sofort unterstützt werden – durch kontrolliertes Anlegen, Zufütterung oder tierärztliche Abklärung.

Es ist eminent wichtig, die Gewichtszunahme der Kätzchen täglich (!) zu kontrollieren. Am besten wird eine Art Wiegebuch für die Kleinen geführt. So lässt sich die Gewichtsentwicklung nachvollziehen und auch mit früheren Würfen vergleichen. Bewährt hat sich die Nutzung einer Küchenwaage, mit möglichst enger Skala (1 Gramm). Das Kätzchen kann zum Wiegen in eine Schale gesetzt werden und Gewichtsunterschiede können grammgenau ermittelt werden. Wiegen Sie immer zur gleichen Tageszeit, am besten zweimal täglich (morgens und abends).

Im besten Fall nehmen die Kitten täglich zu. Tritt ausnahmsweise einmal keine Gewichtszunahme ein, so ist dies noch kein Grund zur Besorgnis. Allerdings sollte das Kätzchen nun besonders beobachtet werden. Sucht es nach einer Zitze und trinkt? Wird es eventuell von einem der anderen Katzenbabys weggedrückt?
Keinesfalls sollte eines der Kitten jedoch abnehmen. In einem solchen Fall ist unbedingt der Grund für die Gewichtsabnahme festzustellen.

Grund für eine Gewichtsabnahme der Mangel an Muttermilch darstellen, dem durch eine energiereiche Nahrung der Katzenmutter vorgebeugt werden kann. Beim Katzenbaby kann ein mangelnder Saugreflex Grund dafür sein, dass zu wenig Milch aufgenommen werden kann. Dies kann gelegentlich auch durch eine angeborene Gaumenspalte verursacht werden.

Ist das Kitten schwach, sollte dieses priorisiert bei der Mutter angelegt und rechtzeitig zugefüttert werden. Im Handel ist besondere Aufzuchtmilch erhältlich, die der Muttermilch weitestgehend nachempfunden wurde.

Weitere Gründe für eine Gewichtsabnahme können Durchfall (Achtung! Die Gefahr der Dehydrierung ist sehr groß und lebensbedrohend) und Parasiten, kurzfristig auch der Zahnwechsel sein.

Wachstumsraten (und wissenschaftliche Schwellenwerte)

Wissenschaftliche Schwellenwerte für Wachstumsraten (WR)

Wissenschaftliche Grenzwerte können helfen, die Gewichtsentwicklung eines Kittens objektiv einzuschätzen.

Die Studie von Mugnier et al. (2024) zeigt, dass bestimmte Wachstumsraten eng mit der Überlebenswahrscheinlichkeit verknüpft sind.

Für normalgewichtige Kitten (NBW) gelten folgende kritische Schwellenwerte:

• WR 0–1 Tag: unter 1,1 %
• WR 1–2 Tage: unter 1,3 %
• WR 0–7 Tage: unter 67 %

Für Kitten mit niedrigem Geburtsgewicht (LBW) gelten höhere Werte:

• WR 0–1 Tag: unter 1,3 %
• WR 1–2 Tage: unter 8,6 %
• WR 0–7 Tage: unter 58 %

Liegen die Wachstumsraten eines Kittens unter diesen Schwellen, steigt das Risiko für gesundheitliche Probleme deutlich an. In solchen Fällen sollten die Kitten engmaschig überwacht und bei Bedarf frühzeitig unterstützt werden.

Praxisbeispiele für typische Gewichtsentwicklungen

Normales Kitten
• Geburtsgewicht im rassetypischen Bereich
• Tägliche Zunahme 8–12 g
• Verdopplung des Gewichts nach etwa einer Woche

LBW‑Kitten mit gutem Verlauf
• Niedriges Startgewicht, aber überdurchschnittliche Wachstumsraten
• Deutlich schnelleres Wachstum in den ersten 7 Tagen (kompensatorisch)
• Stabilisierung nach der ersten Woche

Risikokitten
• Stagnation oder Verlust in den ersten 48 Stunden
• Unregelmäßiges Saugen
• Wachstumsraten unterhalb der wissenschaftlichen Schwellen

Diese Beispiele sollen helfen, die individuelle Entwicklung eines Kittens besser einzuordnen und frühzeitig zu reagieren.

Nahrungsumstellung (Zufütterung)

Etwa ab der 4.-6. Lebenswoche der Kitten kann mit der Zufütterung begonnen werden. Bewährt hat sich, die Umstellung auf "feste Nahrung" behutsam durch das Angebot von menschlicher Babynahrung, Gläschen mit Fleisch, zu starten und nach und nach einen größer werdenden Anteil an Katzenfutter beizugeben. Ab diesem Zeitpunkt steigt das Gewicht der Kätzchen schnell deutlich an.

Artikelinformationen

Skupin, Marcus: Kittengewicht in Welt der Katzen (online)
Veröffentlichung: 23.05.2021
Aktualisierung: 12. Juni 2026
Stichworte: Geburtsgewicht, Colostrum, Gewichtsentwicklung der Katze, Gewichtskontrolle

Quellen

[1] Skupin, Marcus: Welt der Katzen (online), Glossar K - Kolostralmilch
[2] Dr. Hölter, Tierarzt: Colostrum - Macht kleine Hunde und Katzen groß und stark; https://www.drhoelter.de/tierarzt/ernaehrungsinfos/colostrum-macht-kleine-hunde-und-katzen-gross-und-stark.html (abgerufen am 23.05.2021)
[3]
Mugnier, A. et al. (2024), Impact of compensatory growth on survival in newborn kittens, Frontiers Vet. Sci., 03. Juli 2024, Sec. Tierreproduktion – Theriogenologie, Band 11 - 2024 | https://doi.org/10.3389/fvets.2024.1419383

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