Buch der Stille
Das Buch der Stille - Prolog
Bevor die Welt Form annahm, bevor die Alten Wesen erwachten, bevor Zeit ihren ersten Atemzug tat, war der Ursprung.
Im Ursprung ruhten die Kräfte, ungetrennt doch unterscheidbar:
Stille, die verbindet, was das Licht offenbart und der Schatten bewahrt.
Nicht drei Kräfte, doch drei Weisen des einen Atems.
Verbunden, doch getrennt.
Erstes Lied: Vom Wesen der Stille
1 Stille ist Kraft des Ursprungs.
2 Sie ist der Strom der Verbindung, der Atem zwischen Licht und Schatten.
3 Die Stille ist der Strom, der alles sammelt.
4 Sie ist die Kraft, die Frieden bringt und die Seele in Einklang führt.
Zweites Lied: Von der Natur der Stille
5 Stille ist kein Teil der Welt —
6 sie ist Verbindung, unter der Welt entsteht,
7 sie verbindet, ohne zu binden.
8 Und sie bleibt unvermischt.
9 Sie ist in allem, aber nichts ist sie selbst.
Drittes Lied: Von der Verbindung der Stille
10 Bevor Licht und Schatten sich voneinander lösten, war Stille.
11 In ihr ruhen Licht und Schatten gleichermaßen, ohne sich zu berühren und doch ohne getrennt zu sein.
12 Die Stille verbindet, wo Worte trennen.
13 Sie ist keine Macht, sondern Einklang.
Viertes Lied: Von der Stille im Menschen
14 Die Stille wohnt in jedem Wesen, das ist,
15 nicht als Schweigen, sondern als Raum; nicht als Leere, sondern als Atem.
16 Der Mensch trägt diese Stille nicht auf seinen Lippen, sondern in seinem Innersten.
Fünftes Lied: Stille und die Alten Wesen
17 Die Alten Wesen — Seelen, Engel, Dämonen, Cheruben —sind nicht aus Stille gemacht, doch sie hören sich in ihr am klarsten.
18 Die Seelen tragen die Stille wie einen Atem, der sie sammelt.
19 Die Engel bewegen sich in ihr, ohne sie zu brechen.
20 Die Dämonen spiegeln sich in ihr, damit ihre Prüfungen erkannt werden.
21 Die Cheruben bewahren sie an Übergängen, damit jedes Wesen heimfinden kann.
Sechstes Lied: Von der Ruhe der Stille
22 Stille vertieft sich, wenn man ihr lauscht, und zerfällt, wenn man sie erzwingt.
23 Ruhe entsteht dort, wo Menschen die Stille nicht füllen wollen, sondern in ihr verweilen.
24 Denn Stille verbindet, was getrennt scheint, und entgleitet, wenn man sie festhalten will.
Siebtes Lied: Vom Geheimnis des Weges der Stille
25 Der Weg der Stille ist ein Weg des dreifachen Atems.
26 Er ist der Weg der Ruhe.
27 Wer in der Stille wandelt, der erkennt, was verbunden ist.
28 Der Mensch geht ihn zugleich mit den Wegen des Lichts und des Schattens.
Epilog: Vom ewigen Dreiklang
29 Licht, Schatten und Stille waren vor der Welt und werden nach der Welt sein.
30 Sie sind die drei Ströme des Ursprungs, die alles tragen, alles formen und alles sammeln.
31 Wer im Dreifachen Atem ruht, 40 ruht im Ursprung.
32 Und wer im Ursprung ruht, kennt weder Furcht, noch Trennung, noch Ende.